Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Bautzen

Trampelpfad neben einer Staatsstraße

Fehlender Radweg an der S 159 in der Sächsischen Schweiz © Konrad Krause / ADFC

Sichere Wege für Kinder und Pendler statt Dauer-Subventionen für Flügplätze

ADFC Sachsen fordert klare Prioritäten im sächsischen Haushalt

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der sächsischen Verkehrspolitik. Während der Flughafen Dresden seit Jahren ein strukturelles Defizit erwirtschaftet und der Freistaat Sachsen aktuell mit rund 9 Millionen Euro jährlich für dessen Fortbetrieb einsteht, sind die Mittel für den Radverkehr im sächsischen Haushalt massiv gekürzt worden. Für den Flughafen Dresden stellt der Freistaat damit mehr Geld bereit als für den Radverkehr in ganz Sachsen. Mit Blick auf den Doppelhaushalt 2027/28 drohen weitere Kürzungen. Aus Sicht des ADFC steht diese Prioritätensetzung in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Mobilitätsbedürfnissen der Menschen in Sachsen.

„Es ist politisch nicht vermittelbar, dass Jahr für Jahr Millionen Euro in den Erhalt eines defizitären Flughafens fließen, während gleichzeitig sichere Radwege für Schulkinder, Berufspendler und Auszubildende im ländlichen Raum auf Eis gelegt werden“, sagt Janek Mücksch, Vorsitzender des ADFC Sachsen. „Sachsens Staatsregierung muss endlich Verantwortung für eine funktionierende Mobilität in der Fläche übernehmen und zuerst dort investieren, wo Menschen täglich unterwegs sind. Der ADFC ist nicht gegen Flughäfen. Wir kritisieren aber eine Prioritätensetzung, von der nur Wenige profitieren.“

Der ADFC Sachsen sieht darin ein fatales Signal: Statt konsequent in eine sichere, alltagstaugliche Mobilität für die breite Bevölkerung zu investieren, halte der Freistaat an kostspieligen Subventionen fest, ohne gleichzeitig ernsthaft über Einsparungen oder Alternativen zu sprechen. Der Radverkehr hingegen, der täglich Millionen Wege ermöglicht und nachweislich zur Entlastung von Straßen, Haushalten und Gesundheitssystem beiträgt, werde finanziell ausgebremst.

Gerade beim Radwegebau zeigt sich die Schieflage besonders deutlich. Viele geplante Radwege entlang von Staats- und Kreisstraßen werden nicht gebaut und bestehende Lücken nicht geschlossen, weil der Landtag die Mittel um 70% gekürzt hat. Das hat unmittelbare Folgen für die Verkehrssicherheit. In Sachsen verunglücken jedes Jahr hunderte Radfahrende schwer, immer wieder enden Unfälle tödlich. Besonders betroffen von der mangelhaften Infrastruktur sind Menschen, die auf das Fahrrad angewiesen sind – etwa Jugendliche auf dem Weg zur Schule, Auszubildende, Pendler ohne Auto sowie ältere Menschen.

„Verkehrssicherheit ist kein Luxus und keine freiwillige Zusatzaufgabe“, betont Mücksch. „Unzureichende Radinfrastruktur verstärkt das Risiko tödlicher Unfälle. Und wo ein Radweg fehlt, haben die Menschen oft keine freie Entscheidungsmöglichkeit, wie sie ihre Wege zurücklegen können. Sie sind gezwungen, mit dem Auto zu fahren.“ Dennoch würden ausgerechnet Investitionen in Radwege zurückgefahren, obwohl sie vergleichsweise geringe Kosten verursachen und einen enormen gesamtgesellschaftlichen Nutzen haben.

Besonders problematisch ist die Situation für Kinder. Viele Eltern trauen sich nicht, ihre Kinder mit dem Fahrrad zur Schule zu schicken, weil ein sicherer Radweg fehlt oder lückenhaft ist. Damit wird Kindern früh die eigenständige Mobilität genommen. „Ein Kind, das nicht sicher mit dem Rad zur Schule fahren kann, verliert Freiheit, Bewegung und Selbstständigkeit“, so Mücksch. „Gleichzeitig akzeptiert die Politik, dass Millionenbeträge in eine Infrastruktur fließen, die nur von wenigen genutzt wird und Jahr für Jahr immer wieder auf staatliche Unterstützung angewiesen ist.“

„Wenn Sachsen zukunftsfähig sein will, müssen Haushaltsentscheidungen an den Bedürfnissen der Menschen  vor Ort ausgerichtet werden, nicht an Prestigeprojekten“, sagt Mücksch abschließend. „Sichere Wege mit dem Rad für alle, die darauf angewiesen sind, sind wichtiger als jährliche Millionenzahlungen an einen einzelnen Regionalflughafen. Ich bin selbst hin und wieder mit dem Flugzeug unterwegs, das Geld wird beim Radwegebau aber dringender benötigt.“


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https://bautzen.adfc.de/pressemitteilung/sichere-wege-fuer-kinder-und-pendler-statt-dauer-subventionen-fuer-fluegplaetze-1

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